plan b: Natürlich schön – Kosmetik neu gedacht

Creme, Deo, Lippenstift: Kaum etwas kommt uns näher. Auch deshalb legen Verbraucher*innen zunehmend Wert auf natürliche Inhaltsstoffe, weniger Verpackung und faire Produktionsbedingungen.

In unserer Kosmetik stecken häufig umstrittene Mineralöle oder Aluminiumsalze. Verpackt sind sie in Einweg-Plastik. Gute Gründe, Alternativen zu suchen. Zum Beispiel ein Deo, zu 100 Prozent Natur und ohne Müll. Gut für Verbraucher*innen und Umwelt.

Sich einfach irgendetwas auf die Haut schmieren, wollen immer weniger Verbraucher*innen. Stattdessen weniger Chemie und Plastik im Bad. Das spürt auch Marina Zubrod, die 2019 Matica gründete. Das ist kroatisch für Bienenkönigin. Der Name ist Programm, denn die Basis aller Matica Produkte ist Bienenwachs. „Ich hatte selbst vor einigen Jahren große Hautprobleme, da habe ich angefangen mich mit den Inhaltstoffen in meinen Pflegeprodukten auseinanderzusetzen und war nicht gerade „amused“.“ Der Start war fulminant. Innerhalb des ersten halben Jahres ging das Unternehmen so durch die Decke, dass Marina Zubrods Mann Jan seinen Job kündigte und Vollzeit mit in ihr Unternehmen einstieg. Marina liefert die Ideen, Jan versucht sie im eigenen kleinen Labor in die Tat umzusetzen. Ihre neuste Idee: einen zu 100 Prozent natürlicher Deoroller, der trotzdem wirkt und in einer nachfüllbaren Verpackung steckt. Kann das klappen?

Gute Viren, schlechte Viren

In der aktuellen Corona-Pandemie tötet das SARS-CoV-2-Virus sehr viele Menschen und schränkt das Leben auf dem ganzen Globus ein. Doch Viren haben auch gute Seiten, die wir nutzen können.

Viren zählen nach der gängigen Definition nicht zu den Lebewesen. Trotzdem haben sie einen großen Einfluss auf die Evolution und sind sogar ein Teil von uns Menschen. Einige Viren-Bausteine haben sich in unserem Genom verankert und pflanzen sich mit uns fort.

Sie helfen uns zu überleben. Im menschlichen Genom eingebaute Viren – sogenannte endogene Retroviren –  tragen beispielsweise dazu bei, dass sich  die Plazenta bildet.

Andere Viren greifen Bakterien an, verhindern so deren Ausbreitung und schaffen damit Raum für weiteres Leben. So auch in den Tiefen des Meeres. Dort sorgen Viren für das ökologische Gleichgewicht. Sie dämmen etwa das Wachstum von Algen ein, indem sie diese befallen. Oder sie infizieren krankmachende Bakterien, die es auf Meerestiere abgesehen haben. So könnten bald schon statt Antibiotika gezielt Viren in der Fischzucht eingesetzt werden.

Im Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg werden Viren untersucht, katalogisiert und archiviert. Vogelgrippe, Zika, Ebola – insgesamt sind mehrere tausend Viren vollständig sequenziert, die tatsächliche Zahl dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Das Ebola-Virus ist mit einer Sterberate von bis zu 90 Prozent eines der gefährlichsten Viren weltweit.  Der Leiter der Virologie, Stephan Günther, sieht die Gefahr für den Menschen aber eher bei harmloseren Erregern: „Eigentlich muss man sagen, die erfolgreicheren Viren sind Influenza, die spanische Grippe oder jetzt Covid – die gut übertragbaren Viren.“ Durch ihre weitaus geringere Sterberate verbreiten sie sich viel weiter und töten somit am Ende mehr Menschen als diejenigen Viren, die bei Infektion beinahe jede infizierte Person umbringen.

Doch Viren können auch helfen, uns zu heilen: In der Nähe von Rom entwickeln 40 Wissenschaftler*innen einen Impfstoff gegen SARS-Cov-2. Die Forscher*innen benutzen die Hülle eines Virus, das sie im Kot von Gorillas gefunden haben, als Transportkapsel für den Impfstoff. Sie verwandeln so einen Erreger in ein wirksames Medikament. Auch Impfungen gegen zum Beispiel schwarzen Hautkrebs werden schon durchgeführt – basierend auf Viren, die Krebszellen angreifen. Die Dokumentation „Gute Viren, schlechte Viren“ zeigt, dass Viren viel mehr sind als krankmachende Erreger. Sie bestimmen unsere Existenz und wir können uns ihre Eigenschaften zunutze machen.

Norddeutschland bei Nacht

Der Norden bei Nacht ist ein schillerndes Lichtermeer. Überall ist nächtliches Leben.

Mit dem Hubschrauber und besonders lichtempfindlichen Spezialkameras an Bord fliegen Autor Marcus Fischötter und sein Team über blinkende Windparks, Krabbenfischer im Mondschein und Bauern, die im Scheinwerferlicht ihrer Mähdrescher Felder die Ernte einbringen. Hinweg über die Häfen von Rostock, Kiel, Hamburg und vorbei an Ölplattform, Raffinerie und hell leuchtender Industrie.

Wie verändert sich Norddeutschland, wenn das Leben zur Ruhe kommt und sich die Dunkelheit über das Land legt? Der Film „Norddeutschland bei Nacht“ zeigt uns was passiert, während die meisten von uns schlafen.

Nacht in der Schweiz

Auf unserer 3teiligen Reise durch eine Nacht in der Schweiz von der Dämmerung bis zum Morgengrauen nehmen wir die Zuschauer*innen mit auf Helikopter- und Drohnenflüge quer durch das Land und besuchen Menschen, die dann noch arbeiten. Spektakuläre Luftaufnahmen verleihen dem Land eine geheimnisvolle Schönheit. Es entstehen Bilder, die wir so noch nie gesehen haben. Und verschiedene Menschen, die nachts aktiv sind, erzählen ihre Geschichten: Wir sind dabei bei Nachtskitouren, Pistenpräparationen und Hundeschlittenrennen im Winter, begleiten Grenzwächter*innen, Vogelberinger*innen, Film-Dreharbeiten, Schwertransporte und Streetartkünstler*innen im Sommer und Herbst. Eine hochwertige Serie mit interessanten Geschichten und tollen Bildern.

Am 27.12.2020 im SRF:
Folge 1 – Die winterliche Schweiz von 20:05 bis 21:00 Uhr
Folge 2 – Die sommerliche Schweiz von 21:00 bis 21:55 Uhr
Folge 3 – Die herbstliche Schweiz von 21:55 bis 22:50 Uhr

Die Druiden – geheimnisvolle Priester der Kelten

Lange war über die religiösen Würdenträger*innen der Kelten, die Druiden, nur das bekannt, was antike Autor*innen aus Griechenland und Rom über sie berichteten. Faszinierende archäologische Funde der vergangenen Jahre bieten neue Einblicke in die kultische Praxis der Eisenzeit. Sie erlauben Rückschlüsse auf die Bedeutung der Druiden in der keltischen Gesellschaft. Mit ihren Ritualen rund um Misteln, Eichenwälder, Zaubertrunk und Menschenopfer üben sie auch heute noch eine große Anziehungskraft auf viele Menschen aus. Doch was an diesem Bild ist historisch belegbar? Was pure Projektion? Wer waren die Druiden wirklich? Welche Rolle spielten sie in der keltischen Gesellschaft und wieviel Wahrheit liegt in dem Bild vom weisen bärtigen Mann, der in hellem Gewand mit Sichel in der Hand Mistelzweige schneidet? Archäologische Stätten und Funde in Frankreich, Deutschland und England zeigen ein neues Bild und lassen sogar die Vermutung zu, dass nicht nur Männer Druiden waren.

Die 2000er – Jahrzehnt der Spaltung

Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts zieht neue Gräben. In Deutschland und der Welt. Terror und Krieg prägen die Dekade ebenso, wie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Globalisierungsgewinner*innen und -Verlierer*innen. Auf der anderen Seite stellt die digitale Revolution unseren Alltag auf den Kopf. Das Internet wird zum Allgemeingut, das Smartphone zu unserem ständigen Begleiter.

Waren die 90er Jahre ein Jahrzehnt der deutschen Nabelschau, holen uns die Nullerjahre auf die politische Weltbühne zurück. Von den Anschlägen auf das World Trade Center über den Krieg am Hindukusch bis zum großen Börsencrash.

2000-2001 Terrorkrieg und TV-Trash

Der befürchtete Millenniumsbug bleibt aus. Eher gemächlich beginnt der Einstieg in das neue Jahrtausend. Die von einem Spendenskandal erschütterte CDU gönnt sich mit Angela Merkel eine Frau als neue Vorsitzende und Berlin einen schwulen Bürgermeister. Klaus Wowereit bekennt sich als einer der ersten prominenten Politiker*innen zu seiner sexuellen Orientierung. Das Feuilleton arbeitet sich an der RTL-Container-Show „Big Brother“ und die Sportwelt am designierten Fußballnationaltrainer Christoph Daum ab. Der tritt wegen seines Kokainkonsums ab. Der große Knall kommt dann 2001. Die Terroranschläge vom 11. September werden zur historischen Zäsur.  Fortan bestimmen Krieg und Terror die Dekade und holen auch Deutschland auf die weltpolitische Bühne zurück.

2002-2004 Naturgewalt und Nipplegate

Die Bundeswehr kämpft an der Seite Amerikas in Afghanistan gegen die Taliban, doch beim Krieg im Irak macht Deutschland nicht mit. Diktator Saddam Hussein wird auch so gestürzt. Friede zieht im Nahen Osten trotzdem nicht ein. Der blanke Busen von Janet Jackson erregt Amerika mehr, als die Folterbilder aus dem US-Gefängnis in Abu Ghraib. Und nachdem die Union mit Edmund Stoiber endlich einen Kanzlerkandidaten gefunden hat, beginnt im TV die Suche nach Deutschlands Superstar. Stoiber verliert 2002 gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder und Fußballnationaltrainer Rudi Völler im Interview mit Sportreporter Waldemar Hartmann die Contenance. Auf die Jahrhundertflut in Sachsen und Bayern folgt die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean. Trauer trübt 2004 in Deutschland das Weihnachtsfest.

2005-2007 – Sommermärchen und Kanzlerkrawall

Hartz IV ist Mitte des Jahrzehnts das große innenpolitische Thema. Es zerreißt die SPD und beendet die rot-grüne Ära. Mit Angela Merkel zieht im Herbst 2005 erstmals eine Frau ins Bundeskanzleramt. Papst sind wir da bereits. Was aber noch fehlt, ist ein weiterer WM-Titel. Den soll 2006 ein neues, junges Team bei der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land unter der Regie von Jürgen Klinsmann holen. Deutschland erlebt ein schwarz-rot-goldenes Sommermärchen, das am Ende nicht einmal der verpasste Finaleinzug trüben kann. Wer allerdings hofft, dass das große Jubeln bei der Tour de France seine Fortsetzung findet, wird enttäuscht. Der deutsche Telekom-Star Jan Ulrich wird des Blutdopings überführt und schnell ist klar, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Die großen Innovationen kommen aus Übersee. Das erste Smartphone ist Made in USA. 2007 tritt das iPhone seinen Siegeszug um den Globus an und verändert unser Kommunikationsverhalten fundamental.

2008-2009 – Obama-Rausch und Banken-Crash

Die fetten Jahre sind vorbei. Bio ist das neue Zauberwort und wird am Ende der Dekade zum Markenzeichen urbanen Lifestyles. Ohnehin hat das gesunde und gepflegte Speisen Konjunktur. Nach den Castings-Shows erobern die Koch-Shows die deutschen Bildschirme. Ganz gegen ihren Willen geht 2008 auch die Weltwirtschaft auf Diät. In den USA platzt eine riesige Immobilienblase. Erst trifft es die Banken, dann die Realwirtschaft. Kurzarbeit und Abwrackprämie sollen in Deutschland den Abschwung bremsen. Doch das Ende des Jahrzehnts bringt auch neue Hoffnung. Helene Fischer verpasst dem deutschen Schlager eine Frischzellenkur. Und nach George W. Bush zieht mit Barack Obama der erste Afroamerikaner ins Weiße Haus. Mit Obama – so hofft nicht nur das Nobelpreiskomitee –  würde das von Terror und Krieg geprägte Jahrzehnt vielleicht doch noch ein friedliches Ende finden.

Bei diesem ebenso unterhaltsamen Streifzug durch die 2000er begleiten uns u.a. Regina Halmich, Sönke Wortmann, Barbara Hahlweg, Sarah Wiener, Jakob Augstein und die Frontfrauen der Bands „MIA“ und „Juli“

Sendetermin aller 4 Folgen am 29.11.2020:
20:15 – 21:00 Uhr: 2000-2001 – Terrorkrieg und TV-Trash
21:00 – 21:45 Uhr: 2002-2004 – Naturgewalt und Nipplegate
21:45 – 22:30 Uhr: 2005-2007 – Sommermärchen und Kanzlerkrawall
22:30 – 23:15 Uhr: 2008-2009 – Obama-Rausch und Banken-Crash

Trump, meine amerikanische Familie und ich

Ingo Zamperoni unterwegs in einem zerrissenen Land

Ingo Zamperoni kennt die USA wie nur wenige, nicht nur, weil er schon als Student prägende Jahre hier verbracht und später als US-Korrespondent über die Amerikaner*innen berichtet hat. Der Moderator der ARD-Tagesthemen ist mit der Amerikanerin Jiff verheiratet und hat eine große Verwandtschaft in den Staaten. Und die ist ebenso gespalten über den konservativen Präsidenten Donald Trump wie das ganze Land.  Schwiegervater Paul hat den umstrittenen Republikaner ins Weiße Haus gewählt. Darüber ist Zamperonis Frau Jiff ähnlich entsetzt wir ihre Mutter Lynn.  Ingo Zamperoni möchte kurz vor der Präsidentschaftswahl herausfinden, warum nicht nur seine Schwiegerfamilie, sondern das ganze Land so zerrissen ist. Zamperoni begibt sich auf eine familiäre-politische Spurensuche. Er will verstehen, was seinen Schwiegervater Paul an dem polternden Präsidenten begeistert? Wie schafft er es, über die vielen Lügen, Ungereimtheiten und Entgleisungen hinweg zu sehen? Und wie geht der zweite Mann seiner Schwiegermutter, der Schwarz ist, mit dem Rassismus in Trumps Amerika um? Und müssen aber vielleicht sogar Zamperonis Frau und die Schwiegermutter, die Demokratinnen in der Familie, nach vier Jahren Trump gewisse Erfolge seiner Politik eingestehen? Und: Wie wird die Verwandtschaft im November abstimmen?

Durch seinen persönlichen Zugang bringt uns der prominente Anchor die Gedankenwelt der Amerikaner*innen auf einzigartige Art und Weise näher. Ein Erklärungsversuch, der zum Nachdenken anregt.

Abenteuer Ernte

Wenn ein Vollernter sechs Tonnen Bohnen in der Stunde vom Feld holt, wenn ein komplettes 32 Hektar großes Weizenfeld innerhalb von drei Stunden abgemäht wird oder wenn pro Tag allein eine Pflanzmaschine bis zu einer Million Eisbergsalatpflänzchen in den Boden bringt – dann ist Hochsaison auf norddeutschen Feldern.

Hinter diesen gigantischen Dimensionen stehen Landwirt*innen, die jedes Jahr erneut mit Kälteeinbrüchen, Rekordhitze, zu viel oder zu wenig Regen kämpfen müssen. Und als wäre das nicht genug, kam 2020 dazu noch Corona. Tausende Erntehelfer*innen konnten nicht einreisen, Felder nicht bestellt und Spargel nicht gestochen werden. Würden die Landwirt*innen in Norddeutschland in der Lage sein, auch in diesem Jahr die gewohnten Mengen zu ernten, die Versorgung zu garantieren, alles zu stabilen Preisen? Oder würde Corona den Ruin bedeuten? 2020 stellt die Landwirt*innen vor große Herausforderungen.

Vanessa Kossen und Arne Jessen haben große und bedeutende Erzeuger*innen eine Saison lang begleitet und Menschen kennengelernt, die mit Herzblut, Risikobereitschaft und Liebe zum Produkt Gemüse, Obst und Getreide anbauen. Dinge, die wir ganz selbstverständlich täglich in den Supermärkten kaufen können.

Gefördert mit Mitteln der nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH.

Wissen, was man kauft – Mehr Transparenz für Kunden

Was wir täglich kaufen, hat oft einen langen Weg hinter sich. Wer es wie hergestellt hat – und unter welchen Bedingungen -, erfahren wir selten. Verbraucher*innen fragen jetzt genauer nach.

Um die Herkunft der Rohstoffe oder die Arbeitsbedingungen vor Ort haben sich Unternehmen selten geschert. Hauptsache, der Gewinn stimmt. Doch das wandelt sich gerade. Einige Pioniere machen sich auf den Weg, um für mehr Transparenz, Fairness und Verantwortung zu kämpfen.

Bei Quijote Kaffee in Hamburg darf jede*r alles wissen. Firmengründer Andreas Felsen bezieht das gleiche Gehalt wie seine Mitarbeiter*innen – und das kann auf der Website eingesehen werden. Dort steht auch, woher ganz genau welche Kaffee-Bohnen stammen. Aufklärung gibt es auch bei den Löhnen vor Ort, dem Transport, der Lagerung und Verpackung. „Transparenz ist für uns wichtig, um den Fokus auf die Leute zu richten, die die wirkliche Arbeit machen‘, sagt Felsen. „Für die Qualität des Kaffees sind nicht wir als Kaffeeröster*innen verantwortlich, sondern die Bauern und Bäuerinnen, die den Kaffee anbauen. Und es ist wichtig, das Augenmerk auf sie zu lenken.“

Denn wer mit eigenen Augen sieht, wie viel Arbeit in einem Produkt steckt, wird eher bereit sein, höhere Preise für faire Ware zu zahlen. Textilhersteller Ralf Hellmann produziert Bett- und Tischwäsche für Hotels, Krankenhäuser und Restaurants. Er lädt seine Kund*innen deshalb nach Indien ein – in die Orte, wo die Baumwolle angebaut und geerntet wird. Rolf Slickers reist mit. „Das ist für mich eine besondere Erfahrung, an den absoluten Anfang der Lieferkette zu kommen.“ Wird diese Erfahrung bei dem Geschäftsmann etwas verändern?

Antoni Hauptmann begibt sich auf die Reise zum Ursprung einer Fischfrikadelle. Auf einem Fischtrawler will er protokollieren, wo und wie der Fisch gefangen und weiterverarbeitet wird – und so kontrollierbar machen, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Dazu nutzt er die „Blockchain“-Technologie, die eine fälschungssichere Rückverfolgung ermöglichen soll. Hauptmanns Wunsch: Ein wirklich nachhaltiger Fischfang – durch Transparenz. „Der Fisch mit der Seriennummer“, sagt er, „das ist das, was interessant ist.“

Kaffeeröster Andreas Felsen hat Großes im Sinn: „Ich möchte mit meiner Idee die Kaffee-Branche überzeugen und langfristig umkrempeln.“ Deshalb versucht er unermüdlich, andere Kaffee-Hersteller*innen zu mehr Transparenz zu bewegen. Und der engagierte Idealist wird tatsächlich gehört. Sogar ein Branchenriese wie Tchibo will sich dem Trend nicht verschließen – und nichts verbergen. Verbraucher*innen fordern Durchblick, und den bekommen sie.

37°: Die Reifeprüfung – Erwachsen werden in schwierigen Zeiten

Erwachsen werden ist immer kompliziert, aber wie schwierig ist es Abitur zu machen während einer Pandemie? Die Corona-Krise ist eine Zäsur, die eine Generation prägt. Es gibt jetzt das Leben vor Corona und danach.

Die Zeit des Abiturs ist an sich ein emotionaler Ausnahmezustand, Angst und Unsicherheit gehören dazu. Dafür soll nach den Prüfungen die große Freiheit kommen – der beste Sommer des Lebens. Stattdessen kam in diesem Jahr Corona.

Zoe ist 18 Jahre alt und besucht die Hamburger Klosterschule. Anfang März waren in Hamburg Ferien und Zoe im Skiurlaub. Danach sollten die Abiturient*innen ihren letzten Schultag haben, die Motto-Woche feiern und dann ab Mitte April ihre Prüfungen absolvieren. Doch wegen der Pandemie kam alles anders: Auf die Ferien folgte die Schulschließung, im Anschluss eine Debatte, ob und wie das Abitur stattfinden könnte. Zwei Hamburger Abiturient*innen starten eine Online-Petition und fordern ein Durchschnittsabitur: Die Noten der letzten zwei Jahre sollen den Abi-Schnitt bilden, ganz ohne Prüfungen. „Ich will kein Abitur ohne Prüfung. Wahrscheinlich heißt es sonst für immer, wir haben das Corona-Abitur, und das ist gar kein richtiges. Ich kann mich schon immer gut selbst organisieren, aber mich belastet die ganze Situation, nicht zu wissen, was passiert, nicht planen zu können für die Zeit danach“, so Zoe. Der Notendruck ist groß: Zoe will Jura studieren, am liebsten in Berlin. Dazu muss sie einen Numerus Clausus von 1,5 schaffen. Aber erstmal wollte sie im Sommer ihre erste große Reise antreten, monatelang durch Asien reisen. Jetzt liegen alle ihre Pläne auf Eis.

„Ich habe Angst, vor allem um meine Familie und vorerkrankte Freunde. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich vermisse meine Freunde, aber es macht mir Angst zu wissen, dass Millionen Menschen sterben könnten, wenn wir uns nicht an die Maßnahmen halten.“ Zoes beste Freundin Lucie (19) ist ein Einzelkind, seit Wochen hat sie ihre Freund*innen ausschließlich im Videochat gesehen. Lerngruppen dürfen nicht stattfinden, die Bibliotheken sind geschlossen, der Unterricht findet, wenn überhaupt, online statt. Lucie ist eine gute Schülerin, später will sie entweder Biologie studieren oder Kunst. „Es ist doch ein Lebensabschnitt, zwölf Jahre lang haben wir auf unseren Abschluss hingearbeitet und uns auf die Zeit danach gefreut. Und jetzt kann ich mich noch nicht mal an meinen letzten Schultag erinnern oder mein Abi so richtig  feiern. Gerade war ich noch eine ganz normale Schülerin und jetzt bin ich plötzlich erwachsen.“ Lucie und Zoe planen im Sommer nach Berlin zu ziehen und sind auf der Suche nach einer gemeinsamen WG. Vielleicht macht Lucie dort ein freiwilliges ökologisches Jahr, Auslandsaufenthalte sind wohl ohnehin kaum möglich. „Ich habe Angst davor, dass unser Leben nie mehr normal wird, so wie vorher. Es gibt so viele Themen, mit denen unsere Generation umgehen muss, von Klimawandel, über Genderfragen bis Rassismus. Und jetzt auch noch Corona.“

Für Owen und Quinten (20) aus Zoes Jahrgangsstufe am Gymnasium ist die Zeit der Kontaktsperre ein bisschen weniger einsam: Das ist der Vorteil, wenn man zusammen mit seinem Zwilling Abitur macht. Sie lernen zusammen, unterstützen sich gegenseitig. Nach dem Abi-Ball wollten die passionierten Gamer ein paar Wochen Familienurlaub in Korea machen, das fällt flach. „Irgendwie habe ich das Gefühl, dass uns die Pandemie auch Chancen bietet als Gesellschaft und zeigt, wozu wir gemeinsam in der Lage sind. Das finde ich viel wichtiger, als die Tatsache, dass ich vielleicht erst nicht in Urlaub fliegen kann oder erst später anfangen kann zu studieren“, meint Quinten. Eigentlich möchte Quinten ab September Games Management in Wedel studieren – ob das in Zeiten der Pandemie klappt? Owen benötigt für sein geplantes BWL-Studium einen guten Abschluss, aber mit Mathematik hat er im Home Schooling extrem zu kämpfen: „Das Abitur wird die größte Herausforderung meines Lebens. Und die Pandemie macht es für viele schwieriger, weil die Konzentration fehlt, wir Unterricht verpasst haben und man einfach schlechter lernen kann. Und das hat Auswirkungen auf unsere Zukunft.“

37 Grad begleitet vier junge Menschen beim Erwachsen werden in der Corona-Krise und zeigt, wie sich die Pandemie auf ihre Leben auswirkt. Wir erleben sie im Ausnahmezustand zuhause in ihren Familien, während der Prüfungen und dokumentieren, was danach in ihrem Leben passiert.