Trump, meine amerikanische Familie und ich

Ingo Zamperoni unterwegs in einem zerrissenen Land

Ingo Zamperoni kennt die USA wie nur wenige, nicht nur, weil er schon als Student prägende Jahre hier verbracht und später als US-Korrespondent über die Amerikaner berichtet hat. Der Moderator der ARD-Tagesthemen ist mit der Amerikanerin Jiff verheiratet und hat eine große Verwandtschaft in den Staaten. Und die ist ebenso gespalten über den konservativen Präsidenten Donald Trump wie das ganze Land.  Schwiegervater Paul hat den umstrittenen Republikaner ins Weiße Haus gewählt. Darüber ist Zamperonis Frau Jiff ähnlich entsetzt wir ihre Mutter Lynn.  Ingo Zamperoni möchte kurz vor der Präsidentschaftswahl herausfinden, warum nicht nur seine Schwiegerfamilie, sondern das ganze Land so zerrissen ist. Zamperoni begibt sich auf eine familiäre-politische Spurensuche. Er will verstehen, was seinen Schwiegervater Paul an dem polternden Präsidenten begeistert? Wie schafft er es, über die vielen Lügen, Ungereimtheiten und Entgleisungen hinweg zu sehen? Und wie geht der zweite Mann seiner Schwiegermutter, der Schwarz ist, mit dem Rassismus in Trumps Amerika um? Und müssen aber vielleicht sogar Zamperonis Frau und die Schwiegermutter, die Demokratinnen in der Familie, nach vier Jahren Trump gewisse Erfolge seiner Politik eingestehen? Und: Wie wird die Verwandtschaft im November abstimmen?

Durch seinen persönlichen Zugang bringt uns der prominente Anchor die Gedankenwelt der Amerikaner auf einzigartige Art und Weise näher. Ein Erklärungsversuch, der zum Nachdenken anregt.

plan b: Die gute Milch – Gewinn für Kühe, Klima und Kunden

Cappucino, Butter, Käsebrot: Überall steckt Milch drin. Die darf ruhig ein bisschen mehr kosten: Verbraucher*innen legen zunehmend Wert auf faire Löhne für Bauern, Tierwohl und die Ökobilanz. 

Von den niedrigen Milchpreisen können Bauern kaum leben. Massentierhaltung ist Quälerei. Rinder gelten als Klimakiller. Gute Gründe, Alternativen zu suchen. „Du bist hier der Chef!“ heißt eine Initiative, bei der jeder selbst bestimmt, wie viel ein Liter Milch kosten darf.

Darüber konnten Verbraucher*innen in einer Online-Umfrage abstimmen. Jeder Klick hatte Folgen für die Herstellung: mehr Tierwohl, mehr Regionalität, mehr Geld für den Landwirt – all dies schlug sich sofort auf dem Preisschild nieder. Ergebnis: ein überdurchschnittlicher Preis für hohe Standards. „Wir sind bereit, mehr für unsere Milch zu bezahlen, wenn wir sicher seien können, dass auch drin ist, was draufsteht“, sagt Barthelmé.Jetzt steht seine Milch in den ersten Supermarktregalen, und es wird spannend: Kaufen Verbraucher*innen tatsächlich die Milch, die sie online gewählt haben?

Fast jeden Tag kommt ein Kälbchen zur Welt auf dem Hof von Bauer Lenz in Sachsen-Anhalt.

Ein Hochleistungsbetrieb mit 350 Kühen. Und dennoch: Zu sehen, wie Mutter und Kälbchen die ersten Schritte zusammen gehen, ist immer wieder ein Glücksmoment für ihn. „Wir Bauern wollen unsere Kühe nicht schlecht halten. Uns fehlt nur oft schon das Geld fürs eigene gute Leben“, sagt Frank Lenz. Trotzdem will der Vierzigjährige weitermachen, und er hat große Pläne für den konventionellen Milchbetrieb, den er in elfter Generation führt. Sein erster Schritt: Die Kälbchen bleiben nach der Geburt bei ihrer Mutter und werden nicht, wie üblich, sofort von ihr getrennt. Ganze drei Monate dürfen sie dann aus Eutern trinken – statt aus Eimern in Kälberboxen. Milch, die der Bauer nicht mehr verkaufen kann. Doch er ist fest entschlossen zu beweisen, dass das geht: mehr Tierwohl, auch in einem Großbetrieb. 

Mudar Mannah war auf dem Weg, ein erfolgreicher Chirurg zu werden, als er beschloss, sein Leben doch einer anderen Aufgabe zu widmen: als Klimaretter. Er will mithelfen, den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu senken – vor allem den von Methan, das um ein Vielfaches schädlicher ist als CO2. Rinder produzieren riesige Mengen davon. Mannah suchte deshalb eine pflanzliche Alternative zu Käse. „Eine, die schmeckt“, sagt er. So kam er auf die Cashewnuss. Aus der stellt er nun veganen Camembert her, und das mit einer guten Ökobilanz, trotz des Transports der Nüsse aus Vietnam. „Wir müssen einfach umdenken“, sagt er zum Thema Klimawandel, „unser Planet nimmt es uns übel. Wir können so nicht weitermachen.“

Bewusster produzieren und konsumieren – nicht auf Kosten von Umwelt, Tier und Bauern: Darum geht es. Gute Milch, die macht’s!

Die 2000er

Die 2000er – Jahrzehnt der Spaltung

Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts zieht neue Gräben. In Deutschland und der Welt. Terror und Krieg prägen die Dekade ebenso, wie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Globalisierungsgewinner*innen und -Verlierer*innen. Auf der anderen Seite stellt die digitale Revolution unseren Alltag auf den Kopf. Das Internet wird zum Allgemeingut, das Smartphone zu unserem ständigen Begleiter.

Waren die 90er Jahre ein Jahrzehnt der deutschen Nabelschau, holen uns die Nullerjahre auf die politische Weltbühne zurück. Von den Anschlägen auf das World Trade Center über den Krieg am Hindukusch bis zum großen Börsencrash.

2000-2001 Terrorkrieg und TV-Trash

Der befürchtete Millenniumsbug bleibt aus. Eher gemächlich beginnt der Einstieg in das neue Jahrtausend. Die von einem Spendenskandal erschütterte CDU gönnt sich mit Angela Merkel eine Frau als neue Vorsitzende und Berlin einen schwulen Bürgermeister. Klaus Wowereit bekennt sich als einer der ersten prominenten Politiker*innen zu seiner sexuellen Orientierung. Das Feuilleton arbeitet sich an der RTL-Container-Show „Big Brother“ und die Sportwelt am designierten Fußballnationaltrainer Christoph Daum ab. Der tritt wegen seines Kokainkonsums ab. Der große Knall kommt dann 2001. Die Terroranschläge vom 11. September werden zur historischen Zäsur.  Fortan bestimmen Krieg und Terror die Dekade und holen auch Deutschland auf die weltpolitische Bühne zurück.

2002-2004 Naturgewalt und Nipplegate

Die Bundeswehr kämpft an der Seite Amerikas in Afghanistan gegen die Taliban, doch beim Krieg im Irak macht Deutschland nicht mit. Diktator Saddam Hussein wird auch so gestürzt. Friede zieht im Nahen Osten trotzdem nicht ein. Der blanke Busen von Janet Jackson erregt Amerika mehr, als die Folterbilder aus dem US-Gefängnis in Abu Ghraib. Und nachdem die Union mit Edmund Stoiber endlich einen Kanzlerkandidaten gefunden hat, beginnt im TV die Suche nach Deutschlands Superstar. Stoiber verliert 2002 gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder und Fußballnationaltrainer Rudi Völler im Interview mit Sportreporter Waldemar Hartmann die Contenance. Auf die Jahrhundertflut in Sachsen und Bayern folgt die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean. Trauer trübt 2004 in Deutschland das Weihnachtsfest.

2005-2007 – Sommermärchen und Kanzlerkrawall

Hartz IV ist Mitte des Jahrzehnts das große innenpolitische Thema. Es zerreißt die SPD und beendet die rot-grüne Ära. Mit Angela Merkel zieht im Herbst 2005 erstmals eine Frau ins Bundeskanzleramt. Papst sind wir da bereits. Was aber noch fehlt, ist ein weiterer WM-Titel. Den soll 2006 ein neues, junges Team bei der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land unter der Regie von Jürgen Klinsmann holen. Deutschland erlebt ein schwarz-rot-goldenes Sommermärchen, das am Ende nicht einmal der verpasste Finaleinzug trüben kann. Wer allerdings hofft, dass das große Jubeln bei der Tour de France seine Fortsetzung findet, wird enttäuscht. Der deutsche Telekom-Star Jan Ulrich wird des Blutdopings überführt und schnell ist klar, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Die großen Innovationen kommen aus Übersee. Das erste Smartphone ist Made in USA. 2007 tritt das iPhone seinen Siegeszug um den Globus an und verändert unser Kommunikationsverhalten fundamental.

2008-2009 – Obama-Rausch und Banken-Crash

Die fetten Jahre sind vorbei. Bio ist das neue Zauberwort und wird am Ende der Dekade zum Markenzeichen urbanen Lifestyles. Ohnehin hat das gesunde und gepflegte Speisen Konjunktur. Nach den Castings-Shows erobern die Koch-Shows die deutschen Bildschirme. Ganz gegen ihren Willen geht 2008 auch die Weltwirtschaft auf Diät. In den USA platzt eine riesige Immobilienblase. Erst trifft es die Banken, dann die Realwirtschaft. Kurzarbeit und Abwrackprämie sollen in Deutschland den Abschwung bremsen. Doch das Ende des Jahrzehnts bringt auch neue Hoffnung. Helene Fischer verpasst dem deutschen Schlager eine Frischzellenkur. Und nach George W. Bush zieht mit Barack Obama der erste Afroamerikaner ins Weiße Haus. Mit Obama – so hofft nicht nur das Nobelpreiskomitee –  würde das von Terror und Krieg geprägte Jahrzehnt vielleicht doch noch ein friedliches Ende finden.

Bei diesem ebenso unterhaltsamen Streifzug durch die 2000er begleiten uns u.a. Regina Halmich, Sönke Wortmann, Barbara Hahlweg, Sarah Wiener, Jakob Augstein und die Frontfrauen der Bands „MIA“ und „Juli“

Abenteuer Ernte

Wenn ein Vollernter sechs Tonnen Bohnen in der Stunde vom Feld holt, wenn ein komplettes 32 Hektar großes Weizenfeld innerhalb von drei Stunden abgemäht wird oder wenn pro Tag allein eine Pflanzmaschine bis zu einer Million Eisbergsalatpflänzchen in den Boden bringt – dann ist Hochsaison auf norddeutschen Feldern.

Hinter diesen gigantischen Dimensionen stehen Landwirt*innen, die jedes Jahr erneut mit Kälteeinbrüchen, Rekordhitze, zu viel oder zu wenig Regen kämpfen müssen. Und als wäre das nicht genug, kam 2020 dazu noch Corona. Tausende Erntehelfer*innen konnten nicht einreisen, Felder nicht bestellt und Spargel nicht gestochen werden. Würden die Landwirt*innen in Norddeutschland in der Lage sein, auch in diesem Jahr die gewohnten Mengen zu ernten, die Versorgung zu garantieren, alles zu stabilen Preisen? Oder würde Corona den Ruin bedeuten? 2020 stellt die Landwirt*innen vor große Herausforderungen.

Vanessa Kossen und Arne Jessen haben große und bedeutende Erzeuger*innen eine Saison lang begleitet und Menschen kennengelernt, die mit Herzblut, Risikobereitschaft und Liebe zum Produkt Gemüse, Obst und Getreide anbauen. Dinge, die wir ganz selbstverständlich täglich in den Supermärkten kaufen können.

Gefördert mit Mitteln der nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH.

Kaminer Inside: Kultursommer mit Hindernissen

Sommer, das ist die Jahreszeit der Festspiele, Konzerte und Volksfeste in ganz Europa. Anders 2020: Aufgrund der Corona-Krise sind bis mindestens Ende August Großveranstaltungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verboten – und was danach möglich ist, steht noch in den Sternen. Steht uns ein Sommer OHNE Kultur bevor? Ist das überhaupt möglich? Gibt es Alternativkonzepte? Was geschieht an den Orten, die sonst Sommer für Sommer Austragungsort prestigeträchtiger Kulturveranstaltungen sind und von Besuchermassen überrollt werden? Was bedeutet das für die Veranstalter*innen und Künstler*innen vor Ort, was für uns Besucher*innen? Wie ist die Stimmung vor Ort?

Wladimir Kaminer ist als Schriftsteller selbst akut betroffen: Fast alle seine Lesungen und Veranstaltungen wurden schon abgesagt, private Theater – und Konzertbesuche sind unmöglich, seinen Urlaub hat er bereits storniert.

Er nimmt die Zuschauer*innen mit auf eine Reise durch die drei 3sat-Länder, ins Herz der Festspiel-Branche: Er fährt an die verwaisten Spielstätten und trifft Künstler*innen, Organisatoren und Anhänger*innen. Seine Reise führt ihn an drei sehr unterschiedliche Orte, die allesamt zu den meist besuchten und renommiertesten Kulturstätten Europas zählen: die Passionsspiele Oberammergau, das Jazzfestival in Montreux und die Bregenzer Festspiele. 

Wissen, was man kauft – Mehr Transparenz für Kunden

Was wir täglich kaufen, hat oft einen langen Weg hinter sich. Wer es wie hergestellt hat – und unter welchen Bedingungen -, erfahren wir selten. Verbraucher*innen fragen jetzt genauer nach.

Um die Herkunft der Rohstoffe oder die Arbeitsbedingungen vor Ort haben sich Unternehmen selten geschert. Hauptsache, der Gewinn stimmt. Doch das wandelt sich gerade. Einige Pioniere machen sich auf den Weg, um für mehr Transparenz, Fairness und Verantwortung zu kämpfen.

Bei Quijote Kaffee in Hamburg darf jede*r alles wissen. Firmengründer Andreas Felsen bezieht das gleiche Gehalt wie seine Mitarbeiter*innen – und das kann auf der Website eingesehen werden. Dort steht auch, woher ganz genau welche Kaffee-Bohnen stammen. Aufklärung gibt es auch bei den Löhnen vor Ort, dem Transport, der Lagerung und Verpackung. „Transparenz ist für uns wichtig, um den Fokus auf die Leute zu richten, die die wirkliche Arbeit machen‘, sagt Felsen. „Für die Qualität des Kaffees sind nicht wir als Kaffeeröster*innen verantwortlich, sondern die Bauern und Bäuerinnen, die den Kaffee anbauen. Und es ist wichtig, das Augenmerk auf sie zu lenken.“

Denn wer mit eigenen Augen sieht, wie viel Arbeit in einem Produkt steckt, wird eher bereit sein, höhere Preise für faire Ware zu zahlen. Textilhersteller Ralf Hellmann produziert Bett- und Tischwäsche für Hotels, Krankenhäuser und Restaurants. Er lädt seine Kund*innen deshalb nach Indien ein – in die Orte, wo die Baumwolle angebaut und geerntet wird. Rolf Slickers reist mit. „Das ist für mich eine besondere Erfahrung, an den absoluten Anfang der Lieferkette zu kommen.“ Wird diese Erfahrung bei dem Geschäftsmann etwas verändern?

Antoni Hauptmann begibt sich auf die Reise zum Ursprung einer Fischfrikadelle. Auf einem Fischtrawler will er protokollieren, wo und wie der Fisch gefangen und weiterverarbeitet wird – und so kontrollierbar machen, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Dazu nutzt er die „Blockchain“-Technologie, die eine fälschungssichere Rückverfolgung ermöglichen soll. Hauptmanns Wunsch: Ein wirklich nachhaltiger Fischfang – durch Transparenz. „Der Fisch mit der Seriennummer“, sagt er, „das ist das, was interessant ist.“

Kaffeeröster Andreas Felsen hat Großes im Sinn: „Ich möchte mit meiner Idee die Kaffee-Branche überzeugen und langfristig umkrempeln.“ Deshalb versucht er unermüdlich, andere Kaffee-Hersteller*innen zu mehr Transparenz zu bewegen. Und der engagierte Idealist wird tatsächlich gehört. Sogar ein Branchenriese wie Tchibo will sich dem Trend nicht verschließen – und nichts verbergen. Verbraucher*innen fordern Durchblick, und den bekommen sie.

37°: Die Reifeprüfung – Erwachsen werden in schwierigen Zeiten

Erwachsen werden ist immer kompliziert, aber wie schwierig ist es Abitur zu machen während einer Pandemie? Die Corona-Krise ist eine Zäsur, die eine Generation prägt. Es gibt jetzt das Leben vor Corona und danach.

Die Zeit des Abiturs ist an sich ein emotionaler Ausnahmezustand, Angst und Unsicherheit gehören dazu. Dafür soll nach den Prüfungen die große Freiheit kommen – der beste Sommer des Lebens. Stattdessen kam in diesem Jahr Corona.

Zoe ist 18 Jahre alt und besucht die Hamburger Klosterschule. Anfang März waren in Hamburg Ferien und Zoe im Skiurlaub. Danach sollten die Abiturient*innen ihren letzten Schultag haben, die Motto-Woche feiern und dann ab Mitte April ihre Prüfungen absolvieren. Doch wegen der Pandemie kam alles anders: Auf die Ferien folgte die Schulschließung, im Anschluss eine Debatte, ob und wie das Abitur stattfinden könnte. Zwei Hamburger Abiturient*innen starten eine Online-Petition und fordern ein Durchschnittsabitur: Die Noten der letzten zwei Jahre sollen den Abi-Schnitt bilden, ganz ohne Prüfungen. „Ich will kein Abitur ohne Prüfung. Wahrscheinlich heißt es sonst für immer, wir haben das Corona-Abitur, und das ist gar kein richtiges. Ich kann mich schon immer gut selbst organisieren, aber mich belastet die ganze Situation, nicht zu wissen, was passiert, nicht planen zu können für die Zeit danach“, so Zoe. Der Notendruck ist groß: Zoe will Jura studieren, am liebsten in Berlin. Dazu muss sie einen Numerus Clausus von 1,5 schaffen. Aber erstmal wollte sie im Sommer ihre erste große Reise antreten, monatelang durch Asien reisen. Jetzt liegen alle ihre Pläne auf Eis.

„Ich habe Angst, vor allem um meine Familie und vorerkrankte Freunde. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich vermisse meine Freunde, aber es macht mir Angst zu wissen, dass Millionen Menschen sterben könnten, wenn wir uns nicht an die Maßnahmen halten.“ Zoes beste Freundin Lucie (19) ist ein Einzelkind, seit Wochen hat sie ihre Freund*innen ausschließlich im Videochat gesehen. Lerngruppen dürfen nicht stattfinden, die Bibliotheken sind geschlossen, der Unterricht findet, wenn überhaupt, online statt. Lucie ist eine gute Schülerin, später will sie entweder Biologie studieren oder Kunst. „Es ist doch ein Lebensabschnitt, zwölf Jahre lang haben wir auf unseren Abschluss hingearbeitet und uns auf die Zeit danach gefreut. Und jetzt kann ich mich noch nicht mal an meinen letzten Schultag erinnern oder mein Abi so richtig  feiern. Gerade war ich noch eine ganz normale Schülerin und jetzt bin ich plötzlich erwachsen.“ Lucie und Zoe planen im Sommer nach Berlin zu ziehen und sind auf der Suche nach einer gemeinsamen WG. Vielleicht macht Lucie dort ein freiwilliges ökologisches Jahr, Auslandsaufenthalte sind wohl ohnehin kaum möglich. „Ich habe Angst davor, dass unser Leben nie mehr normal wird, so wie vorher. Es gibt so viele Themen, mit denen unsere Generation umgehen muss, von Klimawandel, über Genderfragen bis Rassismus. Und jetzt auch noch Corona.“

Für Owen und Quinten (20) aus Zoes Jahrgangsstufe am Gymnasium ist die Zeit der Kontaktsperre ein bisschen weniger einsam: Das ist der Vorteil, wenn man zusammen mit seinem Zwilling Abitur macht. Sie lernen zusammen, unterstützen sich gegenseitig. Nach dem Abi-Ball wollten die passionierten Gamer ein paar Wochen Familienurlaub in Korea machen, das fällt flach. „Irgendwie habe ich das Gefühl, dass uns die Pandemie auch Chancen bietet als Gesellschaft und zeigt, wozu wir gemeinsam in der Lage sind. Das finde ich viel wichtiger, als die Tatsache, dass ich vielleicht erst nicht in Urlaub fliegen kann oder erst später anfangen kann zu studieren“, meint Quinten. Eigentlich möchte Quinten ab September Games Management in Wedel studieren – ob das in Zeiten der Pandemie klappt? Owen benötigt für sein geplantes BWL-Studium einen guten Abschluss, aber mit Mathematik hat er im Home Schooling extrem zu kämpfen: „Das Abitur wird die größte Herausforderung meines Lebens. Und die Pandemie macht es für viele schwieriger, weil die Konzentration fehlt, wir Unterricht verpasst haben und man einfach schlechter lernen kann. Und das hat Auswirkungen auf unsere Zukunft.“

37 Grad begleitet vier junge Menschen beim Erwachsen werden in der Corona-Krise und zeigt, wie sich die Pandemie auf ihre Leben auswirkt. Wir erleben sie im Ausnahmezustand zuhause in ihren Familien, während der Prüfungen und dokumentieren, was danach in ihrem Leben passiert.

Die Waldretter

Vor 250 Jahren war der Wald in den meisten Ländern Europas noch gesund. Doch das ist vorbei. Der Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten ist in Gefahr. Dabei brauchen wir ihn. Er liefert uns wertvolle Rohstoffe – speichert Wasser und sorgt für ein gutes Klima.

Seit einigen Jahren setzen Dürre und Hitze den Bäumen zu, Schädlinge vermehren sich rasant, illegaler Einschlag füllt die Taschen krimineller Organisationen – und sogar staatlich subventionierter Kahlschlag steigert die Gewinne der Industrie. Deshalb gibt es immer mehr Menschen, die für ihre Wälder kämpfen. In unserer Reihe „Die Waldretter“ erleben wir Überzeugungstäter, die eng mit dem Wald verbunden sind und alles daran setzen ihn zu erhalten. Wir begegnen den Grafen von Bernstorff, die ihren Wald mit innovativen Methoden, Mut und Experimentierfreude so umbauen, dass er in der Klimakrise bestehen kann. In Finnland treffen wir auf Aktivisten, die gegen die Abholzungen für die Papierindustrie und für die letzten Rentierhalter kämpfen. Wir zeigen, mit welchen Mitteln Susanne und Pierre im französischen Zentralmassiv gegen die Monokultur zu Felde ziehen und begleiten Knut Sturm, der im Lübecker Stadtwald zeigt, wie ein gesunder Wald aussehen kann. Und schließlich begleiten wir in Rumänien Menschen, die der Holzmafia den Kampf angesagt haben.

Als der Tesafilm in den Norden kam – Von Glibbermännern und Fischaugen

Die Geschichte des Klebestreifens begann mit einer Panne. In der Hamburger Apotheke von Paul Beiersdorf sollte ein selbstklebender Wundverband entwickelt werden. Doch das Pflaster klebte so stark, dass es sich nicht mehr von der Haut lösen ließ. Eigentlich ein Misserfolg. Doch Beiersdorf war clever: der Klebestreifen wurde einfach anders verarbeitet. Nicht mehr Patienten sollten das Pflaster kaufen, sondern Fahrradfahrer: Das Wunderding eignete sich hervorragend dazu, kaputte Reifen zu flicken.

Was die Wenigsten wissen: Heute verdient Tesa das meiste Geld nicht mehr mit Klebeprodukten für Privatkunden, sondern mit der Industrie. Dabei profitiert die Firma von einem weltweiten Trend. Durch den Einsatz von Plastik – auch bei der Herstellung von Autoteilen und Smartphones – wird immer mehr geklebt und immer weniger verschweißt oder verschraubt.

5000 Mitarbeiter weltweit arbeiten für Tesa mit Firmenzentrale in Norderstedt bei Hamburg. Jahresumsatz: 1,3 Milliarden Euro.

Wie es zu dieser Erfolgsstory kam, mit welchen Schwierigkeiten der Konzern zu kämpfen hat, der jeder Jahr neue Produkte auf den Markt bringen muss, um im Wettbewerb der Klebeindustrie zu überstehen, zeigt die NDR-Dokumentation “ Als der Tesafilm in den Norden kam „.

Filmemacher Manfred Uhlig verfolgt mit seinem Team eine Reihe von Tesa-Mitarbeiterinnen und -mitarbeitern bei ihrem Streben nach immer perfekteren Klebestreifen: Lisa Ardente und Deniz Akin forschen an einem Kleber, der die Innenausstattung von Autos zusammenhalten soll. Außendienstler Matheus Zelasny will bei der Meyer-Werft für Tesa einen Fuß in die Tür kriegen: Bei der Lackierung von Maschinenteilen für Kreuzfahrtschiffe soll demnächst Tesa und nicht mehr das Konkurrenzprodukt Rohre abkleben. Und im Tesa-Zweigwerk Offenburg tüftelt Produktoptimierer Bernd Zapf am „klassischen“ Tesafilm für den Schreibtisch, der beim Abrollen keine Geräusche macht. Dabei hat er vor allem mit zwei technischen Problemen zu kämpfen: „Glibbermännern“ und „Fischaugen“. Glibbermänner – das sind kleine Gelpartikel in der Klebemasse und „Fischaugen“ kleine Lufteinschlüsse im fertigen Film. Die Suche nach dem perfekten Tesafilm ist ein niemals endendes Geschäft.

Die heilende Kraft der Bewegung – Bei Rücken, Herzleiden und Krebs

Wir alle wünschen uns ein Wundermittel, das unsere großen Leiden wie Rückenschmerzen, Herzkrankheiten oder sogar Krebs heilen kann. Vielleicht gibt es das bereits und es ist alltäglicher als gedacht. Es kostet nichts, ist frei von künstlichen Zusatzstoffen: Bewegung. Es zeichnet sich ab, dass wir vor einem Wendepunkt in der medizinischen Forschung stehen. betrifft begleitet ein halbes Jahr lang drei Menschen mit unterschiedlichen Krankheiten, die das Experiment wagen: Kann Bewegung im Kampf gegen ihre Leiden helfen, oder sogar heilend wirken?   

Brigitte Weishaupt leidet seit sieben Jahren an Rückenschmerzen. Die 56jährige hat eine wahre Odyssee hinter sich – jeder Arzt stellte eine andere Diagnose. Nichts hilft. Jetzt reist sie nach Sigmaringen. Dort erwartet sie ein Experten-Team mit einem ungewöhnlichen Ansatz: Vielleicht ist nicht die Wirbelsäule schuld an Brigittes permanenten Schmerzen, sondern das Bindegewebe, ihre Faszien. Und kann ihr dann eine gezielte Bewegungstherapie helfen? Davon sind die Mediziner überzeugt. Für Brigitte, die eigentlich in Holland lebt, ist Sigmaringen die letzte Hoffnung. Wenn sie ihr hier nicht helfen können, das hat sie ihrem Mann zu Hause versprochen, dann lässt sie sich operieren. Wird sich ihre Hoffnung erfüllen und kann sie durch gezielte Bewegung doch noch eine Rücken-Operation vermeiden?   

Halide Krasniqi ist Mitte vierzig und Mutter von zwei Kindern. Vor kurzem bekam sie die Diagnose Brustkrebs. Sie wird am Nationalen Tumor Centrum in Heidelberg behandelt. Ein halbes Jahr Chemotherapie steht ihr bevor, erst dann soll der Rest-Tumor operiert werden. Halide hat sich bei einer besonderen Bewegungs-Studie angemeldet, die in Heidelberg von Sportmedizinern angeboten wird:  Bewegung soll nicht nur dabei helfen, die Nebenwirkungen der gefürchteten Chemo zu besiegen:  „Wenn wir mit unserer Forschung zeigen könnten, dass Bewegung einen unmittelbaren Effekt für die Heilung von Krebs hätte, dann wäre das eine Sensation“ , sagt die Bewegungs-Forscherin Karen Steindorf.  Halide hat sich fest vorgenommen, trotz der Chemo regelmäßig zu trainieren. Sie hofft, dass die Bewegung ihr hilft, den Krebs zu besiegen.   

Siegfried Rheinwald hat eine lebensbedrohliche Herzerkrankung. Insgesamt sechs Stents hat er schon bekommen. Der letzte Herzinfarkt liegt erst zwei Jahre zurück. Heute hat er einen Termin in einer Münchener Praxis für Herzkranke, um einen Test zu machen, wie belastbar er ist. „Bewegung kann man verschreiben wie Medizin“, sagt die Kardiologin Allessandra Boscheri und empfiehlt dem 74jährigen ein spezielles Ausdauer- und Intervalltraining. Gar nicht so leicht für Siegfried Rheinwald – denn eigentlich ist er ein Sportmuffel. Doch weil er im Sommer unbedingt bei einer Bergwanderung speziell für Herzkranke mitmachen will, nimmt er sich vor, täglich zu trainieren.  

In dieser Langzeitbeobachtung begleiten wir drei Menschen mit unterschiedlichen Krankheiten. Mit ihnen wollen wir herausfinden: Kann regelmäßige Bewegung ihre Leiden lindern, oder kann Bewegung sogar bei der Heilung helfen?