Die 2000er

Die 2000er – Jahrzehnt der Spaltung

Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts zieht neue Gräben. In Deutschland und der Welt. Terror und Krieg prägen die Dekade ebenso, wie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Globalisierungsgewinner*innen und -Verlierer*innen. Auf der anderen Seite stellt die digitale Revolution unseren Alltag auf den Kopf. Das Internet wird zum Allgemeingut, das Smartphone zu unserem ständigen Begleiter.

Waren die 90er Jahre ein Jahrzehnt der deutschen Nabelschau, holen uns die Nullerjahre auf die politische Weltbühne zurück. Von den Anschlägen auf das World Trade Center über den Krieg am Hindukusch bis zum großen Börsencrash.

2000-2001 Terrorkrieg und TV-Trash

Der befürchtete Millenniumsbug bleibt aus. Eher gemächlich beginnt der Einstieg in das neue Jahrtausend. Die von einem Spendenskandal erschütterte CDU gönnt sich mit Angela Merkel eine Frau als neue Vorsitzende und Berlin einen schwulen Bürgermeister. Klaus Wowereit bekennt sich als einer der ersten prominenten Politiker*innen zu seiner sexuellen Orientierung. Das Feuilleton arbeitet sich an der RTL-Container-Show „Big Brother“ und die Sportwelt am designierten Fußballnationaltrainer Christoph Daum ab. Der tritt wegen seines Kokainkonsums ab. Der große Knall kommt dann 2001. Die Terroranschläge vom 11. September werden zur historischen Zäsur.  Fortan bestimmen Krieg und Terror die Dekade und holen auch Deutschland auf die weltpolitische Bühne zurück.

2002-2004 Naturgewalt und Nipplegate

Die Bundeswehr kämpft an der Seite Amerikas in Afghanistan gegen die Taliban, doch beim Krieg im Irak macht Deutschland nicht mit. Diktator Saddam Hussein wird auch so gestürzt. Friede zieht im Nahen Osten trotzdem nicht ein. Der blanke Busen von Janet Jackson erregt Amerika mehr, als die Folterbilder aus dem US-Gefängnis in Abu Ghraib. Und nachdem die Union mit Edmund Stoiber endlich einen Kanzlerkandidaten gefunden hat, beginnt im TV die Suche nach Deutschlands Superstar. Stoiber verliert 2002 gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder und Fußballnationaltrainer Rudi Völler im Interview mit Sportreporter Waldemar Hartmann die Contenance. Auf die Jahrhundertflut in Sachsen und Bayern folgt die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean. Trauer trübt 2004 in Deutschland das Weihnachtsfest.

2005-2007 – Sommermärchen und Kanzlerkrawall

Hartz IV ist Mitte des Jahrzehnts das große innenpolitische Thema. Es zerreißt die SPD und beendet die rot-grüne Ära. Mit Angela Merkel zieht im Herbst 2005 erstmals eine Frau ins Bundeskanzleramt. Papst sind wir da bereits. Was aber noch fehlt, ist ein weiterer WM-Titel. Den soll 2006 ein neues, junges Team bei der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land unter der Regie von Jürgen Klinsmann holen. Deutschland erlebt ein schwarz-rot-goldenes Sommermärchen, das am Ende nicht einmal der verpasste Finaleinzug trüben kann. Wer allerdings hofft, dass das große Jubeln bei der Tour de France seine Fortsetzung findet, wird enttäuscht. Der deutsche Telekom-Star Jan Ulrich wird des Blutdopings überführt und schnell ist klar, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Die großen Innovationen kommen aus Übersee. Das erste Smartphone ist Made in USA. 2007 tritt das iPhone seinen Siegeszug um den Globus an und verändert unser Kommunikationsverhalten fundamental.

2008-2009 – Obama-Rausch und Banken-Crash

Die fetten Jahre sind vorbei. Bio ist das neue Zauberwort und wird am Ende der Dekade zum Markenzeichen urbanen Lifestyles. Ohnehin hat das gesunde und gepflegte Speisen Konjunktur. Nach den Castings-Shows erobern die Koch-Shows die deutschen Bildschirme. Ganz gegen ihren Willen geht 2008 auch die Weltwirtschaft auf Diät. In den USA platzt eine riesige Immobilienblase. Erst trifft es die Banken, dann die Realwirtschaft. Kurzarbeit und Abwrackprämie sollen in Deutschland den Abschwung bremsen. Doch das Ende des Jahrzehnts bringt auch neue Hoffnung. Helene Fischer verpasst dem deutschen Schlager eine Frischzellenkur. Und nach George W. Bush zieht mit Barack Obama der erste Afroamerikaner ins Weiße Haus. Mit Obama – so hofft nicht nur das Nobelpreiskomitee –  würde das von Terror und Krieg geprägte Jahrzehnt vielleicht doch noch ein friedliches Ende finden.

Bei diesem ebenso unterhaltsamen Streifzug durch die 2000er begleiten uns u.a. Regina Halmich, Sönke Wortmann, Barbara Hahlweg, Sarah Wiener, Jakob Augstein und die Frontfrauen der Bands „MIA“ und „Juli“

Galerie

Informationen zur Sendung

Sendedatum: Sonntag, 29. November 2020 ab 20:15 Uhr im ZDF
Länge: 4 x 43'
Buch und Regie: André Meier
Kamera: Thomas Frischhut
Schnitt: Thomas Kleinwächter
Redaktion: Evgenia Ploch, Susanne Krause-Klinck, Christian Deick (ZDF)
Produktion: Alex Busch, Christin Gumpert, Marius Meckl
Herstellung: Ulrike Schwerdtner
Ausführende Produzentin: Martina Sprengel
Produzentin: Jasmin Gravenhorst
Drehort: Deutschland