Schleyer. Eine deutsche Geschichte (ARD, Phoenix, WDR, NDR, Kinos)

Die Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyers 1977 war der spektakulärste politische Kriminalfall in der Geschichte der Bundesrepublik. Doch die Ereignisse jenes „deutschen Herbstes“ haben die konkrete Biographie des Wirtschafts-Managers bis heute verdunkelt. Forschungen zu Schleyers Karriere blieben lange Zeit tabu, in den Köpfen der Fernsehzuschauer haben sich die Videobilder aus Schleyers Gefangenschaft, die Stammheim-Szenerie und die RAF-Symbolik festgesetzt. Mit diesem filmischen Portrait beschreibt Lutz Hachmeister den Lebenslauf Hanns Martin Schleyers zum ersten Mal faktengetreu, präzise und dramaturgisch bewegend. Schleyer, der Sohn eines konservativ-nationalgesinnten Richters aus Offenburg, zählte zu den jungen, radikalen NS-Studentenfunktionären der 30er Jahre. Im Prager „Centralverband der Industrie für Böhmen und Mähren“ erlernte er zu Beginn der 40er Jahre die Techniken der Wirtschaftslenkung. Nach der Internierungshaft begann sein beruflicher Wiederaufstieg 1951 bei Daimler Benz. Mit dieser Biographie erschien der, bald als „Boss der Bosse“ apostrophierte, Manager den RAF-Terroristen als „Magnet“, wie es später der Schleyer-Entführer Stefan Wisniewski formulierte. Auf der anderen Seite fand es der „stern“-Reporter Kai Hermann in einer Home-Story 1974 schwer, Hanns Martin Schleyer „nicht spontan sympathisch zu finden“: „Er leugnet nicht, beschönigt nicht, entschuldigt nicht. Er hat ein ungebrochenes Verhältnis zu seiner Vergangenheit.“ Für das Schleyer-Portrait, das um eine Buchpublikation ergänzt wird, wurden nach umfassenden Archivrecherchen Familienangehörige, Wegbegleiter und Freunde wie Kurt Biedenkopf, Edzard Reuter und Eberhard von Brauchitsch befragt, ebenso wie Assistenten und Mitarbeiter aus der Zeit bei Daimler Benz, BDI und BDA sowie Verhandlungspartner der Gewerkschaften. Zudem liegt zu Schleyer umfangreiches audiovisuelles Archivmaterial aus den 60er und 70er Jahren vor. Schließlich soll in Interviews geklärt werden, welches Schleyer-Bild die Entführer der RAF hatten und was sie über seine Biographie wirklich wussten. Der Film zeichnet eine emblematische Karriere nach und konfrontiert die Zuschauer auf ungewöhnliche Weise mit dem Panorama der deutschen Zeitgeschichte.

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Informationen zur Sendung

Sendedatum: ARD am 20. August 2003 um 23:00 Uhr; Phoenix 18.10.2003 um 23.15 die 90-Minuten-Fassung; WDR 03.09.04 um 23.00 Uhr die 90-Minuten-Fassung; und im NDR Fernsehen, 21.10.2003 um 23 Uhr die 45-Minuten-Fassung. Kinostart: Juli 2003 in ausgewählten Kinos
Länge: 90'
Buch und Regie: Lutz Hachmeister
Produktion: Anke Meyer
Ausführende Produzentin: Hartmut Klenke / Lutz Hachmeister
Drehort: Berlin, Hamburg, Bonn, Heidelberg, u.a.