Durchschaut? Das Rätsel der Gesichter

Der Psychologe Dr. Paul Ekman, San Francisco, steht im Ruf, jeden Ausdruck und jede Geste durchschauen zu können. Sein Wissen inspirierte internationale Geheimdienste ebenso wie Hollywood. Es lieferte den Plot für die erfolgreiche Krimiserie „Lie To Me“, in deren Mittelpunkt sein fiktives Alter Ego steht: Dr. Cal Lightman, der beste menschliche Lügendetektor der Welt. Die Dokumentation porträtiert den wahren Wissenschaftler und dechiffriert den Code unserer Gesichter.Paul Ekman erforscht das Rätsel der Mimik seit mehr als 40 Jahren. Er gelang ihm, jeden einzelnen Muskel in seinem Gesicht gezielt zu bewegen. So schuf er in jahrelanger Arbeit einen „Atlas der Gefühle“ mit mehr als 10.000 Ausdrücken. Ekmans größte Entdeckung sind die sogenannten Mikroausdrücke, die für Bruchteile von Sekunden in unseren Gesichtern aufblitzen und ein Indiz für Lügen sind –„undichte Stellen“, durch die unsere wahren Gefühle hindurch sickern. Diese Mikroexpressionen entgehen der normalen Wahrnehmung. Doch laut Ekman kann jeder lernen, sie zu lesen. US-Sicherheitsbeamte und Verhörspezialisten werden nach seiner Methode geschult. Seine Vision seit 9/11 ist es, potentielle Attentäter noch vor der Tat identifizieren zu können. Nur 50 von 10.000 Personen, die Ekman getestet hat, verfügen über das Talent, Mikroausdrücke ohne jedes Training erkennen zu können. Im Film begegnen wir einem dieser „Truth Wizards“, dem Ex-Geheimagenten Paul Kelly, der als Personenschützer des Secret Service im Weißen Haus tätig war. Einen bewegenden Einblick in das andere Extrem erlaubt ein Autist in Berlin: Rainer Döhle. Er fühlt sich unter Menschen „wie auf einem anderen Planeten gelandet“. Das liegt daran, dass er Gesichter nicht identifizieren und Emotionen nicht aus der Mimik herauslesen kann. Wie sieht die Zukunft der Lügenerkennung und des „Gedankenlesens“ aus? Prof. John-Dylan Haynes blickt seinen Testpersonen direkt ins Gehirn, wenn er wissen will, ob sie die Wahrheit sagen. Der Neurowissenschaftler kann aus dem Muster der Hirnaktivität herauslesen, ob ein Mensch einen Ort schon einmal gesehen hat oder nicht. Mit dieser futuristischen Methode der Tatortwiedererkennung könnten potentielle Mörder, Einbrecher oder Attentäter überführt werden. Wie wäre es, wenn eines Tages jeder jeden durchschauen könnte?

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Informationen zur Sendung

Sendedatum: Freitag, 7. Oktober 2011 um 21.45 Uhr auf arte
Länge: 52'
Buch und Regie: Dr. Luise Wagner und Andrea Cross
Redaktion: Ann-Christin Hornberger (ZDF/arte)
Produktion: Ulrike Römhild
Herstellung: Anke Meyer
Ausführende Produzentin: Hartmut Klenke
Drehort: USA, Deutschland