Royston Maldoom (arte)

„You can change your life in a dance class“ Royston Maldoom Er ist der heimliche Star des Dokumentarfilms „Rythm is it“, der Zauberer, der überall auf der Welt selbst schwierigste Kinder wieder auf Kurs bringt, sie aus Krisen rausholt und von ihnen verlangt, sich dem Leben zu stellen: Royston Maldoom, Choreograph und Tanzlehrer. „Tanz beansprucht alles in einem: Körper, Gefühl, Verstand und die Motorik“, sagt Maldoom. „Aber vor allem gelingt es dir durch die künstlerische Arbeit, dich Konflikten zu stellen.“ „Ihr könnt alles erreichen, was ihr wollt“, macht er seinen Schülern Mut. „Ihr habt die Kraft. Aber ihr glaubt noch nicht daran. Ihr müsst lernen, euch zu feiern. Glaubt nicht, dass wir hier nur tanzen. Kunst kann euer Leben verändern!“ Den „Kinderflüsterer“ hat man ihn schon genannt, und Royston Maldoom, der seit 30 Jahren im Rahmen der „Community Dance Bewegung“ Choreografien entwirft und einstudiert, hat in der Tat in Äthiopien mit Straßenkindern und in Bosnien mit traumatisierten Jugendlichen gearbeitet. Darüber hinaus hat er ebenso Projekte mit Senioren, Gefängnisinsassen und physisch oder geistig behinderten Menschen geleitet. Ihnen allen vermittelt er Freude am Tanzen und damit einhergehend, ein neues, produktives Selbstwertgefühl. Maldoom selbst ist ein Spätberufener. „Bis ich 22 war, hatte ich keine Ahnung von Kultur, Tanz oder Theater – geschweige denn Ballett“, erinnert er sich. „Es war reiner Zufall, dass mich Freunde in Cambridge in einen Film schleppten: ‚Ein Abend mit dem Royal Ballet‘. Das war zu der Zeit als Rudolf Nurejew aus der Sowjetunion geflüchtet war und es diese Aufregung um ihn gab. Ich habe diesen Film gesehen, mein Studium hingeschmissen – ich studierte damals Landwirtschaft – und habe beschlossen, Tänzer zu werden.“ Er schrieb sich sofort in einer kleinen Ballettschule ein. Seine Leidenschaft fürs Tanzen brachte ihm Stipendium um Stipendium – und das obwohl er für eine Tanzausbildung schon relativ alt war. Er trainierte verbissen um ein perfekter Tänzer zu werden, doch musste er einsehen, dass er körperlich nicht dazu fähig war. Ohne sich entmutigen zu lassen begeisterte er sich mehr und mehr für die Choreographie. Zuerst arbeitete er mit professionellen Tänzern, doch das wurde ihm bald langweilig, er zog weg aus London, aufs Land, um sein Leben noch einmal komplett umzukrempeln. Ein Mann aus seinem Dorf fragte ihn schließlich, ob er nicht bereit wäre, ihm und seinen Freunden Tanzunterricht zu geben. Und bald arbeitete Royston als Choreograph mit Menschen, die noch nie getanzt hatten. Er lernte schnell, wie er mit den Leuten umgehen musste, und bald darauf arbeitete er auch mit „Problemkindern“ und Behinderten – der Beginn seiner Laufbahn als sozial motivierter Choreograph, die ihn um die Welt bringen sollte.

Galerie

Informationen zur Sendung

Sendedatum: Sonntag, 30. November 2008 um 18.05 Uhr auf arte
Länge: 45'
Buch und Regie: Marion Kollbach, Angela Scheele
Redaktion: Ulrike Dotzer (NDR / arte)
Produktion: Ulrike Römhild
Herstellung: Anke Meyer
Producer: Jasmin Gravenhorst
Ausführende Produzentin: Hartmut Klenke
Drehort: Hamburg, Berlin, London, Schottland

Pressestimmen

Hamburger Abendblatt, 27. November 2008